- Kapitelübersicht
- Angst vs. Furcht - Automatismus Angst: Ausgangspunkt
- Angst vs. Furcht - ein Automatismus, der kristallklare Bilder erzeugt
- Angst vs. Furcht - Gegenüberstellung und Unterscheidung
- Angst vs. Furcht - Angst: Entstehung und Auflösung
- Angst vs. Furcht - Vision: Ein Leben ohne Angst
Die Angst erzeugt stets sehr klare Bilder - allerdings immer genau von dem, was ich nicht möchte - von dem, was ich befürchte!
Schon Hiob wusste von der Wirkung solcher Mächte:
Denn ich fürchtete einen Schrecken,
und er traf mich, und vor dem mir bangte,
das kam über mich.Hiob 3.2
1. Angst und Furcht - Automatismus Angst: Ausgangspunkt
Da wir es mit einem Automatismus Angst zu tun haben, ist doch jetzt die einzig spannende Frage, welchen Sinn er hat! - Und wie wir Ihn ausschalten! Er hatte ursprünglich die Aufgabe, in Form einer Konditionierung das Tier zu steuern. Die Welt des Tieres ist überschaubarer und dort macht er wirklich Sinn! Das Tier war dadurch in der Lage schnell Gefahren auszuweichen und das sogar recht wirksam und effizient. Ich erkläre das gleich noch genauer - aber jetzt schon mal so viel: Die Angst ist also ein Überbleibsel aus dem Tierreich. Forscher haben diesen Funktionsbereich im Gehirn des Menschen lokalisieren können und nennen diesen Gehirnbereich deshalb dementsprechend zum Beispiel auch beim Menschen Mandelkern oder Reptilienhirn.
Beim Menschen ist dieser Mechanismus: Angst im ersten Moment scheinbar auch sinnvoll - am Ende aber immer destruktiv, denn er verhindert vernünftiges Handeln. Und zwar deshalb, weil er er immer auf Situationen der Vergangenheit bezogen ist und uns keine Wahl läßt vernünftig zu handeln. Wir hängen damit immer an den Fäden der Vergangenheit. Das heißt dadurch, dass es sich um Reaktionsmuster handelt, sind wir nicht in der Lage unser Handeln anzupassen und auf oft komplexe Situationen abzustimmen. Wir reagieren aus einer Angst heraus nur - es geht aber beim Menschen darum zu agieren. Wir haben unsere Vernunft und sollten gegenwarts- bzw. situationsbezogen handeln. Und Handlungskompetenz zum Beispiel geht genau dann verloren, wenn Angst ins Spiel kommt.
2. Angst und Furcht - Gegenüberstellung und Unterscheidung
Jetzt sollten wir zunächst den Begriff der Angst von dem der Furcht genauer unterscheiden! Es ist hier interessant zu beobachten, dass die meisten Menschen den Unterschied zwischen Angst und Furcht gar nicht wahrnehmen. Selbst den meisten Therapeuten, die ich kenne, ist das nicht bewusst und auch sie benutzen diese Begriffe als Synonyme. Wenn ich aber hier nicht genau trenne, ist der Weg in die Handlungskompetenz, in die Freiheit so gut, wie nicht zu finden.
Angst ist irrational, sie ist diffus. Sie läßt uns leicht in Panik geraten, sie lähmt uns oft und wir verlieren jede Übersicht. Ein überlegtes, situationgerechtes Handeln ist hier nicht möglich. Wir werden von Emotionen gesteuert. Wir hängen sozusagen an den Fäden unserer Vergangenheit. Wir können keine neuen Strategien entwickeln - wir sind Opfer statt Täter. Wir leben hier nicht - wir werden gelebt.
Ein Beispiel für die Wirkung von Angst ist ein Experiment, das ich stets auf meinen Workshops mache: Ich lege ein 5cm dickes, 30cm breites und etwa 2 m langes massives Brett zwischen jeweils zwei übereinandergelegte Ziegelsteine. Das heißt, das Brett liegt etwa 50 cm über dem Boden. Jetzt bitte ich die Teilnehmer, ein paar Mal auf diesem Brett hin und her zu gehen. Jeder Teilnehmer macht das. Das Brett wippt zwar ein bißchen, aber jeder hat dann, nachdem er sechs oder sieben Mal hin und her gegangen ist, ein sicheres Gefühl. Dann bitte ich die Teinehmer sich vorzustellen, dass dieses Brett, an einem sonnigen, windstillen Tag, zwischen zwei Wolkenkratzern liegt. ...
Nun ist es aber so, das Furcht etwas ganz natürliches ist. Furcht ist rational, ein Mechanismus, der achtsam macht, positiven Streß erzeugt und der uns überlegt und situationsgerecht handeln läßt. Die Furcht analysiert eine Situation und läßt uns agieren. Wir greifen bewußt auf unsere Erfahrungen zurück und strahlen Kompetenz und Sicherheit aus.
3. Angst und Furcht - Angst: Entstehung und Auflösung
Wie aber entsteht die Angst und vor allem wie lösen wir sie wieder auf?