Deutsches Wörterbuch*
- einsam
- allein, verlassen (Mensch); abgelegen, unbewohnt (Gegend); menschenleer, nicht begangen (Weg); sich ~ fühlen; ~ leben; ~ gelegenes Haus; <fig., umg.> einzig dastehend, <in Wendungen wie> das ist ~e Spitze, ~e Klasse <verstärkend für> das ist Spitze, Klasse, das ist außergewöhnlich gut
- allein
- einsam; getrennt, für sich; ohne Zeugen; ohne Hilfe; nur
- du ~ bist meine Hilfe; er ~ ist an allem schuld; ~ (schon) der Gedanke daran macht mich schaudern
- ich habe ihn (nicht) ~ angetroffen; danke, ich kann es ~; ein Unglück kommt selten ~; ich kann das Kind nicht ~ lassen; das Kind kann schon, noch nicht ~ laufen; ~ leben; kann ich dich einen Augenblick ~ sprechen?; er steht ganz ~ (im Leben); das Haus steht (ganz) ~; sein: ich bin so ~; ich muss jetzt (mit mir) ~ sein
- einsam und ~; einzig und ~ seine Geistesgegenwart hat uns gerettet ausschließlich; nur
- ganz ~
- er war ~ im Zimmer; er war ~ mit ihr (im Zimmer); ich werde ~ damit fertig; nicht ~ ..., sondern auch ...
- aber, doch; ich wollte dem Bettler etwas geben, ~ ich hatte nichts bei mir; die Botschaft hör' ich wohl, ~ mir fehlt der Glaube (Goethe, Faust I, „Nacht“) [<mhd. alein(e), engl. alone; = all + ein ]
Auch hier bringt uns das Wörtebuch kaum weiter. Hier scheinen sie synonym gebraucht zu werden. Aber gerade bei diesem Begriffspaar werdet Ihr noch sehen, wie wichtig und hilfreich eine divergierende Betrachtung ist. Es findet überhaupt schon dadurch eine Klarheit und ein Erkenntnisprozess statt, der in vielen Lebensbereichen von außerordentlicher Bedeutung ist.
Aber zunächst haltet bitte erst mal inne und fühlt in diese Begriffe hinein. Wie unterscheiden sie sich vom Gefühl her - von der Schwingung her?
einsam Zunächst dieser Begriff. Wann fühle ich mich einsam? Und was ist das überhaupt für ein Gefühl? Es schwingt wie Isolation und getrennt sein. Ich fühle mich klein und schwach. Ich fühle das Ego, das Abgespaltensein. Es schmerzt und ich erlebe Trauer. Es ist allerdings auch gar kein Gefühl, sondern eine Emotion. Ich befinde mich scheinbar hier und doch bin ich in der Vergangenheit. In alten Mustern und in altem Schmerz.
allein Hier bin ich eins mit dem All! Dieses Gefühl schwingt erhaben. Hier wähle ich. Ich habe Kontakt mit mir und stehe doch in Verbindung mit dem Ursprung. Ich spüre mein Schöpfer- und Geschöpfsein. Ich spüre die Unendlichkeit -ich bin einfach da. Aus diesem Gefühl heraus kann ich wählen. Oder besser noch mich finden lassen.
Wenn Ihr hier mal kurz verweilt und diese Definitionen oder besser diese Divergenz tief in Euch spürt, könnt Ihr vielleicht die wunderbare Funktion von Sprache fühlen. Und fragt Euch vor allem, was erlebt Ihr?