Kapitelübersicht
- Huhn oder Ei - Einleitung
- Huhn oder Ei - was war zuerst da?
- Huhn oder Ei - Ableitungen
- Huhn oder Ei - positives Denken etc. ...
- Huhn oder Ei - die Lösung
1. Huhn oder Ei - Einleitung
Wenn ich mir mein Auto manchmal so anschaue, dann herrscht dort pures Chaos. Da mich meine Umgebung spiegelt, ich mir meine Welt selbst erschaffe, ist es das Chaos in mir, was mir im außen begegnet. So frage ich mich, wie ich das nun ändere - mache aber nichts daran. Tag für Tag verbringe ich also viel Zeit in diesem Chaos - außerdem fehlt der linke Rückspiegel (er ist mir mal während des Parkens abgefahren worden und zersprungen). Die Unordnung, das Gerümpel stört mich, ich gehe in den Protest, so will ich es nicht. Irgendwann habe ich es integriert - o.k. es ist ein Teil von mir.
Dann bin ich eines Tages in einen kleinen Unfall verwickelt und muß zu einem Gutachter, um die Schadenhöhe zu ermitteln. Es erscheint mir sinnvoll, mit einem aufgeräumten Auto dorthin zu fahren und außerdem mit einem, das auch auf der Fahrerseite einen Spiegel hat. Ich nehme an, dass das Gutachten höher aufallen wird, wenn das Auto tip-top aufgeräumt, technisch in Ordnung und sauber ist. Plötzlich habe ich ein kristallklares Bild von meinem aufgeräumten, sauberen Auto in mir und innerhalb von etwa drei Stunden ist es fertig. Es machte richtig Spaß und es ging fast »wie von selbst«.
Vorher habe ich mir noch einen Ersatz für meinen zerbrochenen Außenspiegel besorgt. Ich bin monatelang ohne linken Autospiegel gefahren, was jeden Tag eine Menge Stress bedeutete - dann aber lief auf einmal alles »wie von selbst«: Ich bin zu zwei Autoverwertern gefahren und habe dann einen passenden Spiegel in Top Zustand gefunden. Der Chef hat mir den Spiegel dann noch selbst ausgebaut - und er wollte nichts dafür haben, obwohl so ein Spiegelglas, auch in der Ausführung, etwa 40 Euro kostet. Es war zwar nur das Spiegelglas mit Halterung, aus einem mechanisch verstelbaren Spiegel, ohne Heizung und nicht das komplette Innenleben meines elektrischen Spiegels, das bei mir defekt war, aber vom äußeren Anschein her zumindesten passte der Spiegel und er mußte nur noch irgendwie improvisiert befestigt werden. Ich dachte zunächst an kleben, dann an einen Draht oder sogar an unsichtbares Tesafilm, obwohl mir nicht wohl dabei war.
Ich habe ihn dann am nächsten Tag noch vor dem Gutachtertermin angebracht und zwar doch so, dass ich das Innenleben meines elektrischen Spiegel repariert habe und das neue Spiegelglas dann auch perfekt angebracht werden konnte.
Auch das ging »wie von selbst« und das Ergebnis war 1a - ein tolles Gefühl: ich habe etwas selbst in Stand gesetzt und hatte ab dem Moment wieder zwei elektrisch verstellbare Aussenspiegel.
Ich fahre also am nächsten Tag mit meinem »neuen« Auto zum Gutachter und alles läuft optimal. Jetzt fahre ich in einem Auto, das mir viel besser gefällt und ich frage mich: weshalb habe ich das nicht schon viel früher gemacht?
Es hat richtig Spaß gemacht, es war ein super Gefühl des »wie von selbst« - schon während der Arbeit und ich steige jeden Morgen mit einem viel besseren Gefühl in mein Auto ein.
Was ist passiert? Da mein Auto plötzlich in einem Top Zustand ist, ist der ja auch in mir! Was aber ist in mir passiert, dass das Chaos so plötzlich aus meinem Leben, zumindestens in der Hinsicht, verschwindet?
Ich hätte nun schon viele eher etwas unterbehmen können. Ich hätte mir eine Mind Map machen können, ich hätte mich fragen können, was mir dieses Chaos mitteilen möchte. Woran es mich erinnert.
Jetzt sitze ich in meinem »neuen« Auto und reflektiere das, was mich in diese Situation geführt hat. Was kann ich lernen, wie kann ich solche Prozesse beschleunigen? Sollte ich sie beschleunigen?
Ich fühle mich richtig wohl in meinem Auto. Ist es ein Prozess, der vorher ablief und dann sichtbar wurde oder ist es die Ordnung, die mich in eine Erkenntnis führt?
2. Huhn oder Ei - was war zuerst da?
Die Frage, die mich schon lange intensiv beschäftigt ist also: wenn sich etwas plötzlich »wie von selbst« verändert, wie komme ich dann an den inneren Prozess, der dem voraus ging? Oftmals passieren in meinem Leben wunderbare Dinge und ich komme einfach nicht an den inneren Prozess. Wo aber liegt die Ursache? Wie mache mir den Prozess also bewusst und fördere damit meinen Lern- und Integrationsprozess insgesamt, da ich ja dann den Schlüssel in der Hand hätte, meine Entwicklung - meine Entfaltung insgesamt zu fördern - die Zeit gar völig herauszunehmen?
Gab es also erst den inneren Prozess, von dem ich im Moment ausgehe - das Ei - aus dem dann lediglich als Projektion das sichtbare Ergebnis entelechetisch hervortritt - das Huhn schlüpft?
Oder gab es zunächst den Sachverhalt - das Huhn - aus dem ich dann zu lernen habe? Und aus dem dann die Erkenntnis - das Ei - reift?
Oder ist alles noch irgendwie andersherum? Oder bedingt sich beides? Oder ist alles einfach ein Prozess, der ständig wechselt? Und war am Anfang das Wort - oder der Gedanke? Und wo war der Ausgangspunkt des Gedanken? Vielleicht war es ein Gefühl, eine Empfindung und wo war deren Ausgangspunkt?
Es gibt noch viel zu erfahren!
3. Huhn oder Ei - Ableitungen
Was also kann ich aus der Geschichte mit dem Auto lernen? Es existiert sicher eine Wechselwirkung: das Sein wirkt auf das Bewußtsein und das Bewußtsein auf das Sein. Wie komme ich also bei etwas, das mir nicht gefällt an das Bewußtsein, das dann die Veränderung bewirkt - das Sein verändert? Das aufgeräumte Auto - das Sein - wirkt nun auf mein Bewußtsein. Es fühlt sich sehr gut an. Was aber ist dem »wie von selbst« voran gegangen?
Vielleicht war es einfach ein unbewußter Integrationsprozess? Ich habe das Gefühl - oder besser die Emotion integriert und schon hat sich das Sein mit Leichtigkeit in Licht verwandelt?
Jetzt habe ich noch andere »Aufgaben« und ich bin gespannt, was dieses gute Gefühl noch nach sich zieht.
Wie kann ich meinen Entwicklungsprozess insgesamt fördern? Die Zeit herausnehmen? Indem ich bewusst in meine Probleme hineinfühle, die Empfindungen integriere. Ich fühle einfach. Ja, so fühlt es sich also an mit einem kaputten Außenspiegel zu fahren. Ja, so fühlt es sich an, wenn ihn mir jemand abfährt. Woran erinnert mich das und was habe ich in dem Zusammenhang in der Vergangenheit verdrängt, abgespalten?